4 Dinge, die uns Pferde über Kommunikation lehren

4 Dinge, die uns Pferde über Kommunikation lehren

„It’s amazing what you can learn after you’ve learned all that you think there is to learn“ 

(Ray Hunt)

 

Dieses Zitat spricht mir aus der Seele.

Ich bin noch immer Anfänger im Bereich Natural Horsemanship und darf sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, was ich in der Arbeit mit Pferden alles über mich lernen durfte und noch vor mir habe, zu lernen.

Nach knapp 4 Jahren Pferde-Erfahrung, vor allem in der Bodenarbeit, ziehe ich ein erstes Resümee und verrate euch nachfolgend meine TOP 5 Themen, die mir Pferde über Kommunikation beigebracht haben.

 

1. Vertrauen aufbauen

 

In einer freilebenden Herde sind die beiden Führungspositionen vom Leithengst und der Leitstute besetzt. Beide haben sie ihre Aufgaben. Während der Leithengst die Rolle des Verteidigers einnimmt und für die Fortpflanzung zuständig ist, ist die Leitstute für die disziplinarische Führung der Herde verantwortlich und führt die Herde zu den saftigsten Futterplätzen und sichersten Wasserstellen.

So ist es auch bei Menschen. Vertrauen und Respekt spielen auch hier innerhalb eines Teams, oder innerhalb eines Unternehmens, eine große Rolle.

Vertrauen und Respekt sollten sich meiner Meinung nach die Waage halten und das ist auf Grund der vielen verschiedenen Charaktere innerhalb einer Gruppe nicht immer ganz so leicht, vor allem im Vertrieb.

Derjenige, der die Führungsposition innehat, sollte also feinfühlig sein und bereits handeln, bevor sich ein angespanntes Klima etabliert und sich das Gefühl der Unzufriedenheit und Demotivation breit macht.

 

2. Positive Handlungen oder Denken in die geforderte Richtung sofort honorieren und negative Handlungen ignorieren und versuchen, diese in ein positives Erlebnis umzuwandeln

 

Schuldzuweisungen und das Herausstreichen von Fehlern fördern ein vertrauensvolles und motiviertes Miteinander nicht unbedingt.

Der Mensch versucht viel zu häufig, Fehler zu verbessern oder besonders auf einen Fehler hinzuweisen. Schließlich soll dieser Fehler nicht mehr wiederholt werden. Durch diese Vorgehensweise empfindet derjenige, der diesen Fehler gemacht hat, als besonders unangenehm und das Aufbauschen dieses Fehlers führt letzten Endes häufig zu einer Eskalation bzw. zu einem Vertrauensbruch.

Vertrauen baut man sich mühevoll über Wochen und Monate auf, aber nur in einem unachtsamen Moment kann man das Vertrauen spielend einfach wieder verlieren.

Das ist nicht nur beim Menschen der Fall, sondern auch bei Pferden.

Negative Erlebnisse sollten also in der Arbeit mit Pferden und Menschen gleichermaßen behandelt werden:

 

  • Unvollständige Ergebnisse oder Fehler sollten nicht bestraft werden oder besonders stark hervorgehoben werden.

Im Gegenteil. Durch ein Training und durch eine Abfolge smarter Wiederholungen wird das Ergebnis Stück für Stück verbessert.

 

  • Fortschritte und positive Ergebnisse werden unmittelbar belohnt und ein authentisches und gezieltes Lob wirkt hier Wunder.

 

3. Weniger Druck machen

 

Druck erzeugt Gegendruck.

Beim Pferd ist das der sogenannte Oppositions-Reflex, eine Art Urinstinkt, der dann zutage tritt, wenn es gefangen ist, ein Raubtier sich verbissen hat und das Pferd gegen den Druck anrennt, um das Raubtier dazu zu zwingen, vom Druck abzulassen. In dieser Sekunde nutzt das Pferd all seine gespeicherte Energie, um zu fliehen.

Zu starker Druck bei einem Pferd kann also sehr schnell eskalieren und ich kann dir sagen, dass ich vieles möchte, aber einen Kampf mit einem Pferd möchte ich gerne vermeiden. Wie ist das bei dir?

Ich weiß nicht, wo im Vertrieb die Belästigung beginnt, aber wenn ein Vertriebler den Bogen überspannt und so hart und oft nachfasst, dass es dem Kunden einfach zu viel wird, dann hat der Vertriebler zu viel Druck gemacht. Das kann z.B. daran liegen, dass der Vertriebler unbedingt noch den Abschluss in diesem Monat braucht. Dem potenziellen Kunden wird der Druck aber zu viel und er wird eine negative Entscheidung treffen, um sich dieser unangenehmen Situation zu entziehen.

Daher ist das richtige Timing in der Arbeit mit Pferden und in der Kommunikation mit Menschen ein entscheidender Faktor. Erstaunlich wenige Menschen machen sich darüber Gedanken, wie ich festgestellt habe.

 

4. Entspannen und loslassen

 

Als ich Reitunterricht nahm, habe ich anfangs den Fehler gemacht, direkt vom Office in den Stall zu fahren. Dabei hatte ich nicht nur meine Reitschuhe eingepackt, sondern den gesammelten Tages-Stress, meine Gedanken und Emotionen. Die Reaktionen der Pferde haben mir schnell gezeigt, dass dies nicht besonders clever ist und so habe ich mich vor dem Reitunterricht komplett entspannt, abgeschaltet an nichts gedacht und bin dann motiviert und ruhig gestartet. Die Pferde haben es mir mit produktiven und aufmerksamen Trainingsabläufen gedankt.

Pferde sind monoculare Seher. Sie sehen nicht nur deutlich besser wie wir, bis leicht in den Infrarotbereich hinein, sie können auch unsere Gemütsstimmung durch Ablesen unserer Gesichtsausdrücke, durch Mimik und Gestik, lesen und interpretieren.

Die oberste Pflicht eines Pferdebesitzers ist es also, den Adrenalinspiegel bzw. seine Emotionen möglichst im Griff zu haben. In einer Gefahrensituation orientiert sich das Pferd stark am Reiter und wenn der Mensch in dieser Situation ruhig bleibt, dann bleibt auch das Pferd ruhig. Wenn sich der Mensch aber nicht wieder schnell beruhigt oder die Probleme der ganzen Woche mit in den Stall nimmt, so werden die Trainingseinheiten mit Sicherheit sehr mühevoll sein und wenig Spaß machen.

 

Es gilt also die Regel: Ist der Adrenalinspiegel hoch, so ist der Lerneffekt niedrig.

 

Zu diesem Thema kann ich dir wärmstens die Kursangebote des Menschen- und Pferdetrainers Martin Kreuzer empfehlen. Hier findest du den Link zum Pferdepsychologie Basiskurs: http://www.martinkreuzer.com/html/pferdepsychologie1.html

 

Auch im Berufsleben ist es nicht immer leicht, loszulassen. Schließlich will man doch immer die Zügel fest im Griff haben, oder?

Dabei ist es doch auch sehr entspannend und schön, wenn man Mitarbeitern oder Kollegen Aufgaben übertragen kann und man sich sicher sein kann, dass diese zuverlässig erledigt werden.

Man lernt nie aus und deshalb finde ich das Leben zwar in dieser Betrachtung recht kurz aber eben auch sehr faszinierend. Ich bin gespannt, was es diese Woche für mich wieder auf Lager hat.

 

Gewinnbringende Grüße

#derNabicht

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12 comments on “4 Dinge, die uns Pferde über Kommunikation lehren
  1. ein richtig interessanter Beitrag! da ich selber keine Ahnung von Pferden ahben, kannte ich diese Verbindungen auch noch nicht … da können wir uns doch einiges von abschauen 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

  2. Steffi sagt:

    Hey,

    ach was für ein toller. Eitrag! Pferde faszinieren mich schon ewig… Wir hatten früher auch ein eigenes. Das Vertrauen zu gewinnen ist das A und O und dadurch gibts so viel Möglichkeiten. Nicht umsonst werden Pferde auch im Therapeutischen-Reiten angewendet.

    Lg
    Steffi

    • Liebe Steffi,

      da hast du vollkommen Recht. Ich hatte mal ein therapeutisches Reitpferd als Lehrmeister höchster Güte, dabei wollte ich nur reiten lernen. 🙂
      Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir als Leserin erhalten bleibst und meinen Blog via Social Media empfiehlst.

      Schönen Abend und bis bald.

      #derNabicht

  3. Christina sagt:

    Ein sehr schöner Blog – und wie du schon sagtest: Von Pferden (Tieren allgemein) kann man viel über adaquates Verhalten lernen.

  4. Denise sagt:

    Ich bin selbst seit fast 15 Jahren Pferde-Besitzerin und trotzdem immer wieder aufs neue erstaunt was mir mein Pferd so alles beibringen kann.
    Ich fahre auch selbst öfters im Stress in den Stall muss aber sagen dass dieser komplett ablässt sobald ich dort aus dem Auto steige. Negatives nicht zu stark unterstreichen sollten wir uns sicherlich alle mehr zu Herzen nehmen. So kann man seine Einstellung dann doch um einiges positiver beinflussen als man denkt!

    Viele Grüße
    Denise
    http://www.lovefashionandlife.at

  5. Bea sagt:

    Was für ein unglaublich schöner Beitrag… genau auf den Punkt gebracht! Ich hatte auch mal ein Pferd und es hat mich zu einem besseren Mensch gemacht! Es war eine ganz besondere Beziehung, die wir hatten, schon alleine wegen der Widersprüche (ich 1,60m – Pferd 1,85m Stockmaß, nur ein Beispiel). Aber wir haben zusammen gelernt – vor allem gelernt, dass man von den Vorstellungen, die man hat, total abkommen muss um zum Ziel zu gelangen. Wir wurden beneidet um unsere Beziehung. Danke, dass Du mich zum Erinnern gebracht hast.

    LG, Bea.

    • Hey Bea,

      vielen Dank für deinen sehr charmanten Kommentar. Von Pferdemenschen freue ich mich besonders einen Kommentar zu bekommen. 🙂
      Schau doch mal ab und an rein. Mein Hashtag auf meinen Social Media Plattformen ist #derNabicht oder zu diesem Thema #pferdisch.

      Bis bald

      #derNabicht

  6. Sigrid Braun sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel. Da meine Tochter eigene Pferde hat, weiß ich auch, was man durch den Umgang mit Pferden lernen kann.

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