Interviewreihe „GründerInnen-Persönlichkeiten“ – Auf ein Wort mit Franziska Fahsel

Interviewreihe „GründerInnen-Persönlichkeiten“ – Auf ein Wort mit Franziska Fahsel

 

Ich bin ja bekannter Weise neben meiner Leidenschaft für Gewinnbringende Kommunikation, ein absoluter Pferdenarr und wurde bei der Pferdemesse: Eurocheval 2018 über meinen Instagram Channel: @derNabicht von Franziska angeschrieben: Ich möge mich doch mal mit ihr austauschen und vorbeikommen. Das habe ich kurzerhand getan und habe Franziska als eine Unternehmerin kennengelernt die definitiv weiß, dass der Teufel im Detail steckt und die für das was sie tut, absolut brennt. Da mich solche Menschen natürlich immer wieder begeistern, habe ich Franziska ein Interview angeboten, weil ich finde, dass GründerInnen hier auf jeden Fall etwas lernen und etwas für sich und ihren Gründungsweg mitnehmen können. Deshalb nachfolgend mein Interview mit Franziska Fahsel. Viel Spaß!

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Blog-Redaktion: Liebe Franziska, welches Lieblingszitat ist dir besonders wichtig und ist deiner Meinung stimmig für dieses Interview?

“Tough times don’t last, tough people do. ” Robert Schuller

 

 Blog-Redaktion: Bitte stelle dich kurz privat vor und erzähle uns etwas über deinen beruflichen Werdegang und über die Unternehmerin Franziska.

 

Ich bin Franziska, 30 Jahre alt und lebe in meiner Heimatstadt Berlin. Nach der Schule habe ich eine kaufmännische Ausbildung absolviert, anschließend in der VIP Kundenbetreuung und dem Beschwerdemanagement gearbeitet. Schnell merkte ich jedoch, dass ich kein Mensch für das Büro bin und habe kurzerhand meine Koffer gepackt.

In Schottland habe ich dann am College “Fashion & Production with Retail“ studiert und meine Leidenschaft im Gestalten wiederentdeckt. Leider bin ich genau zu dem Beginn der Wirtschaftskrise 2009 nach Schottland gezogen und musste dann wieder nach Deutschland zurückkehren. Es gab einfach keine Jobs. Trotzdem war es mit die beste Zeit meines Lebens! Ich lebte auf einer Farm und dort begann ich auch meine ersten Pferdeartikel zu nähen und zu testen. Aber dazu später mehr…

Wieder in Berlin und motiviert noch einmal zu studieren, packte ich dann das Fachabitur Wirtschaft an. Glücklicherweise bekam ich direkt danach einen Studienplatz an der HTW Berlin und machte einen Bachelor und Master in International Business (in Englischer Sprache). Parallel zu dem Fachabitur und Studium arbeitete ich in der Firma meines Vaters, einer Fachfirma für Anlagenbau und Entsorgungstechnik. Hier lernte ich Projekte mit sehr großem Auftragsvolumen sowie öffentliche Ausschreibungen kennen und bearbeiten, ebenso wie man mit Krisensituationen im großen Stil umgeht. 2014 wagte ich dann (neben dem Bachelor) den ersten Sprung in die Selbstständigkeit und gründete einen Handel für Reitsportartikel. Zu einem kleinen Anteil fertigte und vertrieb ich auch eigene Produkte. Ich verkaufte auf Turnieren und auch ein wenig online.

Da mir das Studium sehr viel Wissen vermittelte und ich bereits aus meiner Ausbildung und dem Job bei der Fachfirma einiges an praktischer Erfahrung angesammelt hatte, begann ich parallel Bekannte und Freunde bei ihrer Gründung/Selbstständigkeit zu beraten. Durch die Empfehlungen meiner ersten „Kunden“ bekam ich dann schnell mehrere Aufträge und entdeckte meine Leidenschaft für die Beratung – mein Pflichtpraktikum für das Studium absolvierte ich in dann in einer kleinen Agentur für Marketing und Werbung. Dort beriet ich Selbstständige und kleine Unternehmen.

Ich habe schon immer viel gelesen und verschlang Literatur zum Thema Strategie und Gründung. Meine wirkliche Leidenschaft mündete dann in den Themen „Businessplan und Strategie“. Ich fing an Businesspläne zu schreiben, die Resonanz war immer sehr positiv. So ging der Bachelor in den Master über und ich studierte und arbeitete manchmal 60-80 Stunden die Woche. Oft wurde es schon hell und die Vögel zwitscherten wenn ich an meiner Nähmaschine saß und eine personalisierte Decke für ein Distanzpferd anfertigte. Ich war oft am Ende meiner Kräfte aber ich habe es trotzdem geliebt!

Nach dem Studium habe ich einen Job an der HTW Berlin begonnen und Gründer_innen auf ihren Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Mein Job war sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll! Ich habe in der Zeit angefangen ein Gründer_innenlabor aufzubauen, mit Prototyping- und Controlling-Werkstatt. Meine kleine Firma lief parallel weiter. Zwei Semester habe ich dann an der HTW noch betriebswirtschaftliche Fächer unterrichtet (International Management und Strategisches Management). Zum Oktober 2018 habe ich den Lehrauftrag aufgegeben – denn ich musste flexibel agieren können bei meinen Aufgaben als Unternehmerin und konnte mich leider nicht mehr zeitlich an den Unterricht binden.

 

Blog-Redaktion: Rückblickend – was waren die erfolgreichsten Entscheidungen, Schritte, die du auf dem Weg zur Unternehmerin in deinem Leben getroffen hast?

 

Mutig sein. Immer und immer wieder etwas zu riskieren hat mich dahin gebracht wo ich jetzt bin. Mein Vater sagt immer: “Wer nichts riskiert, kann nichts gewinnen.“

Die Ausbildung, dass Fachabitur und das Studium haben mir sehr viel Hintergrundwissen vermittelt. Die verschiedenen Jobs die ich gemacht habe gaben einen Einblick in unterschiedliche Umgangsweisen mit Projekten, Problemen, Menschen etc.

(Gute) Bücher lesen hat mich immer weiter gebracht, auch das verfolgen der Online-Accounts von ein paar Experten ist empfehlenswert.

Die Entscheidung, nicht aufzugeben und mit allen Mitteln meinen Traum zu verfolgen war extrem wichtig. Ab einem gewissen Schritt (bei mir war es denke ich der Bankkredit) gibt es kein zurück mehr. Mich immer wieder selbst herauszufordern und über meine Grenzen hinauszuwachsen – mit den noch nie da gewesenen Aufgaben meine Ängste für mich und mein Unternehmen zu überwinden … Das sind und waren alles Schritte die mich voran gebracht haben.

Ich war früher immer der Meinung ich muss alles alleine schaffen, aber man bekommt sehr viel Hilfe von anderen Unternehmer_innen und Menschen die an einen glauben. Wie hat Steve Jobs es so schön gesagt: „Now, I’ve actually always found something to be very true, which is most people don’t get those experiences because they never ask. I’ve never found anybody who didn’t want to help me when I’ve asked them for help.“

Ich glaube übrigens sehr an Karma. Egal ob Putzfrau oder Managing Director, ich behandele jeden Menschen mit dem selben Respekt und Höflichkeit und helfe wo ich kann.

 

Blog-Redaktion: Wann hast du dich für das Leben als Unternehmerin entschieden und –besonders spannend für uns – warum?

 

Die Entscheidung „den nächsten Schritt“ zu wagen kam, als ich feststellte das viele Reiter_innen mit dem Angebot am Markt nicht zufrieden waren. Ich selbst auch nicht, selbst die hochpreisigen Artikel hielten oft nicht was sie versprachen. An meinen Verkaufsständen habe ich mich bestimmt mit 2000 Pferdemenschen unterhalten und im In- und Ausland auch mit nicht weniger Reiter_innen.

Entwicklung und Tüfteln hat mir schon immer großen Spaß gemacht, also lag eine Neuausrichtung auf komplett eigene, innovative Produkte sehr nah. Während des Masters begann ich mit der Produktentwicklung. Allein meine Prototypen fanden sehr großes Gefallen bei Produkttester_innen. Die Marktanalyse und das Marktpotential waren ebenfalls sehr vielversprechend.

Ich war noch nie gut darin als Angestellte im (für mich meistens zu langsamen) Tempo des jeweiligen Unternehmens zu arbeiten, auch wenn ich meinen Job an der HTW wirklich spannend fand. Also traute ich mich, schrieb einen Businessplan und beantragte über meine Hausbank einen KfW-Kredit. Zunächst habe ich noch in Teilzeit gearbeitet und in der restlichen Zeit das Unternehmen aufgebaut – nachdem die Zusage von der Bank kam habe ich gekündigt.

Ich dachte mir: „so eine Chance bekomme ich nie wieder“. So ist das alles gekommen, von der Auszahlung des Kredites bis zu unserem Marktstart mit einer ansehnlichen Produktpalette sind nur 6 Monate vergangen.

 

Blog-Redaktion: Viele erfolgreiche UnternehmerInnen sprechen davon, dass sie ein ausgeprägtes Verkaufstalent haben und dass dieses einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren war und ist, um die Unternehmung erfolgreich voranzutreiben. Wie ist das bei dir, Franziska?

 

Wenn ich Kunden berate kommt mir das nie wie verkaufen vor. Ich kenne meine Produkte zu 100% und wenn sie für jemanden nicht geeignet sind dann sage ich das auch. Trotzdem höre ich dann oft nach Gesprächen sogar vom Kunden, dass ich sehr gut verkaufen kann.

Das kommt ganz automatisch, wenn man von seinem Produkt bzw. von seiner Unternehmung zu 100% überzeugt ist.

Die Fähigkeit den Nutzen für den Kunden, den/die Investor/in, die Bank oder wen auch immer überzeugend und schlüssig darstellen zu können ist sicherlich sehr wichtig für den Erfolg. Wenn Menschen spüren, dass man für etwas „brennt“ dann kann man sie oft auch dafür begeistern.

 

Blog-Redaktion: Welche Voraussetzungen braucht ein Mensch, um ein erfolgreicher Unternehmer, eine erfolgreiche Unternehmerin zu werden, und wie geht man es in der Praxis wirklich an?

 

Voraussetzungen: Man muss an sich und seine Idee glauben. Bedingungslos.

Sobald man sich einmal dafür entschieden hat einen Weg zu gehen muss man alles dafür tun aber gleichzeitig auch flexibel genug sein um sich z.B. Veränderungen am Markt, veränderte Kundenbedürfnisse oder Gegebenheiten anzupassen.

Man darf nicht zu stolz sein um Hilfe anzunehmen, sein Unternehmen nicht als Prestigeobjekt betrachten. Fehlende Kompetenzen muss man dazu holen oder sich aneignen. Und das wichtigste: Die Mitarbeiter_innen sind die wichtigste Ressource im Unternehmen. Mit ihrem Verhalten und Motivation hängt der Erfolg/Misserfolg unmittelbar zusammen.

Eine Firma aufzubauen ist verdammt harte Arbeit, man braucht Disziplin und muss auch in schwierigen Zeiten stets seine Werte und Überzeugungen wahren. Sei die Situation noch so knifflig und scheint alles auch noch so festgefahren, man muss morgens aufstehen und sich denken „jetzt erst Recht, ich kann das“! Genauso muss man sich aber auch eingestehen können wenn etwas nicht funktioniert.

In der Praxis:

Erst einmal alle wichtigen Punkte abklären: Was genau ist mein Produkt? Wer ist meine Zielgruppe? Welche Strategie verfolge ich? Wer ist meine Konkurrenz? Wie unterscheide ich mich von der Konkurrenz? Wie viel Potential hat mein Markt und wo positioniere ich mich dort? Welche Ressourcen brauche ich und wo bekomme ich diese her und zu welchen Konditionen? Ist meine Idee rentabel und wenn ja, ab wann?

Wenn alle Faktoren geklärt sind und die Geschäftsidee erfolgsversprechend, dann loslegen. Von da wo man ist mit dem was man hat. Der Rest findet sich wenn man eine Unternehmerpersönlichkeit ist. 

 

Liebe #SmartSellerInnen und PferdefreundInnen, es ist nicht notwendig, dass man alle Erfahrungen selber machen muss, man kann auch aus den Fehlern anderer lernen.

Gewinnbringende Grüße

#derNabicht

 

Quelle:

Bild 1: Franziska Fahsel – Inhaberin HEVAL EQUESTRIAN

Beitragsbild im Header: Clemens Fait

 

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